Ausgewandert!


Mit 51 Jahren bin ich (2001) vom Bernischen Seeland
(Schweiz), nach British Columbia, Kanada ausgewandert. Warum? Fast würde ich
sagen, es hat sich einfach ergeben, musste so sein. Manchmal habe ich das Gefühl,
das Schicksal hat ganz toll mitgeholfen. Urs und ich lernten uns in einem Internet Chatroom kennen.
In langen Chat-Nächten tauschten wir unsere Ideen aus, Träume vom etwas anderen Leben.
Bis wir zum Schluss kamen, es doch zusammen zu probieren. Aber wenn ein Partner in der Schweiz lebt und der andere in Kanada, dann ist das nicht so einfach.
Im September 2000 flog ich zum ersten Mal nach Kanada um Urs persönlich zu treffen und um einen ganz kleinen Teil von diesem unermesslich grossen und wunderschönen Land kennen zu lernen. Ich sah die Wälder, die unberührten Ufer der Flüsse, die so klar waren. Die verschneiten Rockies, Adler die im Winde segelten. Das alles hat mich tief beeindruckt, tat meiner Seele gut und es war einfach nur schön.
So beschloss ich, mein altes Leben aufzugeben und nach Kanada auszuwandern um mit Urs einen Traum zu verwirklichen; den Traum vom einfachen und freieren Leben! Allen die sich schon mal Gedanken zum Auswandern gemacht haben sei hier gesagt, so einfach wie sich diese Story nun liest, so einfach war es nicht. Nur so viel, wir kauften uns im Mai 2001 in der Nähe von Creston ein Grundstück, einen Berg, den wir Sunny-Hill nennen. Es kostete uns viel
körperliche Arbeit und so manche Entbehrung, nur damit wir überhaupt auf dem Grundstück leben konnten. Alles mussten wir von Grund auf bauen, denn es war nichts vorhanden. Kein Wasser, keine Elektrizität, keine richtige Zufahrt. Das Grundstück war in seinem natürlichen Zustand: Busch und Wald. Als Entschädigung dürfen wir in der freien Natur leben, bekommen Besuch von Hirschen und Rehen, Kojoten und auch Bären. Für nichts würde ich mein Leben hier eintauschen!
Im August 2015 ist mein Buch:
KANADA IST BÄRENSTARK publiziert worden. Es sind Geschichten über Begegnungen mit Menschen, über meine Tiere, von Kojoten und Bären,
aus unserem Alltag eben! :-)




Menschen auf dem Sunny-Hill

Menschen auf dem Sunny-Hill
Ein Kojote.....

am Kootenay Lake.....

Hugo? Wer ist Hugo?




Letzten Februar haben wir ihn zum ersten Mal gesehen, den schlanken, getigerten, jungen Kater. Er kam wohl wegen Esther, unserem Katzenmädchen. Esther ist zwar sterilisiert, aber das kann die liebes hungrigen Kater nicht abhalten. Immer wieder schleichen sie in bestimmten Zeiten ums Haus. Normalerweise verschwinden sie dann auch wieder.....normalerweise. 



Vor zwei Jahren war es Leo, der für Wochen immer wieder zu unserem Haus kam. Da es kalt war, habe ich ihn in unserem kleinen, geheizten Powerhouse gefüttert und da durfte er dann auch nachts sein. Aber er hatte sich mit unserem Kater Nemo, überhaupt nicht arrangieren können. Oft hatte ich die beiden Streithälse getrennt, wenn sie sich wieder gegenüber standen wie zwei Boxer im Ring.
So habe ich Kater Leo nach Wochen des Kampfes, in unser Tierheim nach Creston gebracht. 



Letzten Februar tauchte wie gesagt dieser junge Kater auf. Im Gegensatz zu Leo schien er sehr friedlich zu sein und Nemo duldet ihn um sich, ja sie liegen sogar zusammen auf dem Rasen im Schatten. 
Am Anfang war er sehr scheu und ich bekam ihn immer nur von hinten zu sehen. Ich wollte ihn auch nicht gleich füttern, soll er doch nach Hause zurück. Manchmal habe ich ihn auch für Tage nicht mehr gesehen. Aber eigentlich wusste ich immer, dass er noch da war. Darum stellte ich ihm dann doch im Schopf -- weg vom Haus -- ein Schälchen mit Wasser und Trockenfutter hin. Das ist nicht immer eine gute Idee, weil man damit auch andere Tiere anlockt. 
Ab und zu liess ich das Tellerchen aber leer in der Hoffnung, dass er doch weiterziehen würde.



Aber anstatt wegzuziehen, kommt der Kater, dem wir den Namen Hugo gegeben haben zum Haus, um zu zeigen, dass er noch da wäre und Hunger hat. Er setzt sich dann --- um vor Chica sicher zu sein -- ins Vogelhaus. Natürlich ist Chica Katzen gewohnt, aber das ist halt ein fremder Katzenbub. Sie müssen sich erst aneinander gewöhnen. Hugo ist zutraulich geworden und zeigt sich nun regelmässig bei uns. Esther scheint ihn auch zu akzeptieren und so kann er bleiben. Nur eines müssen wir noch bevor es Winter wird und Hugo ins Haus darf.....er muss kastriert werden. Sonst markieren die beiden Buben im ganzen Haus. Dieses Problem hatten wir schon Mal, als der Bruder von Nemo noch lebte. Beiden waren kastriert und haben trotzdem im Haus markiert. Aber wir können ihn im Winter nicht einfach draussen in der Kälte stehen lassen.
In der Zwischenzeit haben wir auch raus gefunden woher Kater Hugo kommt. Aber da wo er eigentlich zuhause wäre, vermisst ihn keiner......darum bleibt er bei uns, solange er denn mag.

Der Schmetterlingsmann

Nach dem Mittagessen zog ich mich für meine Siesta zurück und Urs fuhr mit seinem kleinen Gefährt den Berg hoch, mal nachsehen! Seit Pax nicht mehr vor dem Haus liegt und wacht, kann man bei uns unbeobachtet Rein- und Rausfahren. Aber heute hatte sogar Chica ein paar Mal den Berg hochgebellt. 
Nach einer Viertelstunde ist Urs zurück und erzählt aufgeregt, dass da weiter oben auf dem Berg, ein fremdes Auto geparkt sei. Versteckt hinter Büschen. "Honey, du musst mitkommen.....wenn da was passiert ist, was machen wir dann?" In den Nachrichten suchen sie ständig nach vermissten Menschen......oder solche die von der Polizei gesucht werden.
Also, wir fuhren wieder den Berg hoch und ich -- wie ich das immer mache -- den Bärenspray im Gepäck -- sicherheitshalber.



Erst hatte ich das Auto gar nicht gesehen, es war da parkiert, wo ich morgens mit den Hunden meistens beim Laufen vorbei komme, unter den Bäumen. In die andere Richtung, etwas weiter weg, lagen 2 nasse Betttücher über den Rosenbüschen. Ein paar Meter weiter davon, 2 paar Turnschuhe verschiedener Grösse. "What the heck is going on?"
Verunsichert schauten wir uns um, auf alles gefasst. Ich ging zum Auto und schaute durch die Fenster, konnte aber fast gar nichts erkennen, ausser dass das Auto vollgepackt war. 
Ich traute mich aber nicht die Türe zu öffnen.....wehe wenn da was rausfällt......ich lese ab und zu einen Krimi. :-) 
So merkten wir uns die Marke des Autos und die Nummern auf dem Schild....es war in Ontario registriert. Ontario liegt auf der anderen Seite von unserem grossen Land, also nicht bloss um die Ecke.
Wir fuhren zurück zum Haus und ich rief bei der Crestoner Polizei an und erzählte von den mysteriösen Dingen, die wir entdeckt haben. Die Lady schien das gar nicht so aufregend zu finden, sie stellte erst mal so viele Fragen, bis ich sagte; es spielt doch absolut keine Rolle ob der Wagen 2 oder 4 türig ist und ob wir Land zu verkaufen haben und ob er bei unserem Haus hätte vorbei fahren müssen. Vielleicht passieren da Oben gleich die furchtbarsten Sachen!!!!
Es werde jemand vorbei kommen, versprach sie, so bald als möglich eben. 
Urs stellte sich also an den Highway, damit er den Polizisten zeigen konnte wo das Auto steht. Von der Strasse aus war es ja nicht sichtbar.
Nichts passierte.......   drei Stunden später rief Urs noch einmal bei der RCMP (Polizei) an und eine andere Lady war am Telefon. Sachlich nahm sie den Report auf, verglich die Angaben mit dem ersten und versprach, dass gleiche eine Streife vorbei kommen werde.
Urs stand also wieder am Highway, als er von weitem jemanden zu Fuss in seine Richtung kommen sah. Als der Mann auf seiner Höhe war, wollte er an Urs vorbei gehen, unsere Einfahrtstrasse rauf. Urs stoppte ihn und fragte, ob er was suche, dies hier wäre privat property. Ganz erstaunt sah der junge Mann Urs an und dann sagte er, dass er seit Stunden sein Auto suche......und nun glaube er, dass er die richtige Einfahrt gefunden hätte. 
Also mal ehrlich, wer läuft ohne Wasser, Bärspray, ohne Irgendwas im Busch herum, in einer Gegend wo er sich überhaupt nicht auskennt? Genau darum gehen so viele Menschen verloren.....was denken die sich? Zudem sind die Bären immer noch überall mit ihren Jungen anzutreffen. So etwas ist einfach nur verantwortungslos.
Urs fuhr den etwas verwirrten Burschen  zum Auto.....das da seit Stunden stand.



Da erzählte der junge Mann, er studiere in Ontario Naturwissenschaft und hier in BC, speziell in unserer Gegend gäbe es eine Schmetterlingsmotte und er suche nun nach den Raupen, darum die nassen Bettlaken. AHA......das kann der Mensch ja nicht wissen.
Urs sagte ihm, dass er jetzt aber warten müsse bis die Polizei käme, wir hätten uns halt Sorgen gemacht. Nur ein paar Minuten später war die RCMP da und sie durchsuchten sein Auto, wollten wissen woher er kommt und wohin er als nächstes gehen wird. Alles schien also o.k zu sein.
Als mir Urs dies erzählt hatte - ich war ja nicht dabei - kam bei mir die Frage; und warum standen da zwei paar Turnschuhe? Nicht in der gleichen Grösse? Hatte er noch jemand mit dabei???  Immer diese Phantasie im Hinterkopf!!

manchmal knockt es einem out.....


Letzten Sonntag war ich noch o.k und konnte mit meinen Mädchen auf einen zügigen Walk gehen.
Dann am Montagmorgen, wachte ich mit einem ekligen Schmerz in der rechten Kniekehle auf. Den ganzen Montag über humpelte ich herum und hoffte, dass ich mich irgenwie falsch bewegt hätte  und sich alles von allein einrenken wird.
Am Dienstagmorgen keine Besserung, der Schmerz zog sich nun bis zum Fuss runter.  
Natürlich googlen Menschen wie ich dann irgendwann, um auf diese Symptome eine Antwort, eine Erklärung oder wenigstens einen Hinweis zu finden. Es gab verschiedene Hinweise zu Beinschmerzen, Schmerzen in der Kniekehle, dann kam noch erschwerend dazu, dass mich der Ischiasnerv schon öfters plagte, was es auch diesmal hätte sein können.
Ich wollte sicher gehen, dass nichts mit den Venen falsch ist und rief bei unserem Hausarzt an. Normalerweise muss man mindesten 2-4 Tage, oder auch schon mal eine Woche warten, bis am einen Termin bekommt. Aber meine Beschreibung hat wohl Alarm ausgelöst und ich konnte zu einem der Ärzte gehen, der eine Cancellation hatte. Nur 2 Stunden später stand ich in der Praxis und Dr Jordan untersuchte mein Bein, vor allem die Beweglichkeit vom Knie. Er war sich nicht sicher was da anging. Keine Geschwulst, keine wirkliche Beeinträchtigung der Bewegungen des Kniegelenkes....nur die Kniekehle war extrem empfindlich, aber da war keine Flüssigkeit spürbar. So tippten wir gemeinsam auf meinen Freund Ischias der wieder mal auf Besuch war. Ausser dass ich den Schmerz mit Ibuprofen in Schach halten soll, wollte er mich in einer Woche wieder sehen......wenn es nicht schlimmer wird.
Am Samstag hatte ich ein Appointment bei meiner Masseurin. Ich erhoffte mir von ihr Erleichterung, denn sie ist eine Frau mit viel Gespür, nicht nur für die körperlichen Belange. Auf mein Knie gab sie nur von der schmerzstillenden, homöopathische Salbe Traumeel und sonst arbeitete sie vorsichtig an meinem Rücken und meinem Freund Ischias.
Ich kam zuversichtlich zu Hause an, verrichtete noch ein paar kleine Dinge, machten den Teig für den obligaten Sonntagszopf, dann setzte ich mich doch einen Moment auf das Sofa im Wohnzimme und wartete bis der Zopfteig parat zum Flechten war.
Nach einer Dreiviertel Stunde stand ich auf und nahm die drei Stufen vom Wohnzimmer zur Küche. Auf dem obersten Tritt, gab einen stechenden Schmerz in mein Bein....Kniekehle.....und dann ging gar nicht mehr. Der Schmerz nahm mir die Luft und ich hechelte als ob ich in Wehen liegen würde. Erschrocken wollte Urs mich zum nächsten Stuhl führen, was nicht möglich war. Es war mir absolut nicht möglich mich zu bewegen. Dieser Schmerz......hinsetzen war nicht möglich, denn der Schmerz kam hoch bis zur Pobacke. Urs wollte mich gleich in die Emergence nach Creston fahren, aber ich wollte mich erst einen Moment sammeln und mich spüren, was das vor sich ging. Dann  musste doch die Züpfe geflochten und in den Ofen geschoben werden und die Hunde warteten auch auf ihr Abendessen......
Also Urs machte den Zopf fertig und wir hatten eine Halbestunde Zeit um zu überlegen, ob ich gleich eine Tasche packen soll, wenn ich dableiben müsste.....was wirklich nicht in meinem Sinn gewesen wäre......aber es würde ja nicht nach meinem Sinn gehen, das war mir klar.
Es war wirklich kein einfaches Unterfangen, als Urs probierte mich bis zum Auto zu bringen. Wie ein nasser Mehlsack hing ich an seinem Arm und die Tränen rannen mir die Wangen runter. Wir können nicht bis direkt bis vors Haus fahren und es war mir absolut nicht möglich mein Bein zu belasten. 
Aber wir schafften die 30 Kilometer bis nach Creston ins Spital. Dort holte Urs einen Rollstuhl und ich wurde in die Emergence gerollt. Nur kurze Zeit später kam Dr. Johnson, ein uns bekannter Arzt und nahm sich meinem Bein an. Jetzt war mein Knie erwärmt, an der Innenseite geschwollen und in der Kniekehle war ein Kissen fühlbar. Dr. Johnson tippte auf eine Baker Zyste und ich bekam eine Spritze ins Knie gegen den Schmerz und die Entzündung. 
Ich hatte eine gute Nacht und heute Sonntagmorgen geht es mir schon wieder ein bisschen besser.
Jetzt muss ich Ibuprofen schlucken gegen die Entzündung und mich in Geduld üben, während Urs mit den Mädchen über den Berg laufen wird.

Jeder braucht sein Plätzchen

Es ist eine Weile her seit meiner letzten Geschichte.....irgendwie mochte ich nicht so recht schreiben. Nicht dass mir was fehlt, nein, nicht wirklich. Gesundheitlich geht es mir gut und der Frühling tut das seine dazu.
Zu dieser Jahreszeit passiert in der Natur so viel, nur bei mir im Herzen, fühlt es sich wie Stillstand an. Die Projekte die ich in Arbeit habe, wollen nicht so recht von der Hand und ich lasse mich gern Ablenken.  
Zwar gehe ich jeden Morgen mit meinen Mädchen über den Berg, freue mich an den Birken, die jetzt schon fast in ihrem lichten Grün stehen. Die Wiesen die durch den Löwenzahn langsam gelb werden, und den ersten Bärenhaufen habe ich auch schon gefunden.
Die Welt ist in Ordnung, wenigstens soweit ich das hier feststellen kann. 
In letzter Zeit suche ich auch nicht mehr nach einem anderen Hund, der die Lücke von Pax einnehmen soll. Für Wochen habe ich die Seiten der SPCA (Tierheime) durchgeklickt. Hunde gibt es viele, aber nicht alle passen zu unserer Familienkonstellation. Aber schon von denen die gepasst hätten, hätte ich ein Dutzend nehmen wollen.....denn so viele suchen ein gutes Zuhause. Am Ende klickte ich die Seite weg und ich bleibe traurig zurück. Also ist erst mal Ruhe.
Dafür habe ich - da wo ich mit den Hunden oft auf unserm Spaziergang sitze - für Pax ein kleines Erinnerungsplätzchen gemacht. 
Von keinem der vier Hunde die ich verloren habe, habe ich die Asche zurück genommen. Aber ich habe für Gina, Cindy und Maite einen Baum und einen Platz ausgesucht, wo ihre Seele ruhen soll. Einen Platz wo ich mit ihnen in Kontakt bleiben kann, so jetzt auch für Pax.



Dies zu tun hat mir gut getan, jeder braucht einen Ort wo er hingehen kann um an die Seelen die gegangen sind, zu denken. Rituale sind hilfreich, spenden Trost und tun uns gut. 
Jetzt haben die Bäume nach dem langen Winter auch  wieder ihre Kraft zurück, Zeit für einen Energieaustausch. Die Umarmung eines Baumes ist heilend für die Seele und nimmt uns den Kummer und die Angst aus dem Herzen......probier es doch einmal. Es kann nichts passieren, als dass du dich erleichter wieder dem Leben stellen kannst.

Am 4. April 2001


Dieses Foto beschreibt ohne viele Worte, mein Leben in Kanada. Es beschreibt mein Lebensgefühl. Wir leben hier in und mit der Natur....und fast auf jedem Bild wo ich bin, sind auch Tiere mit drauf. Nur durch sie bin ich was ich bin.


                 ....und das ist Urs, mein crazy husband :-)  Wir lernten uns im Internet kennen.

Im Frühjahr 2001 kauften wir unseren Sunny-Hill (151 Acre = 61 Hektaren) Es war für uns wie ein Traum......und ist es auch heute noch. Jeden Tag gehe ich mit meinen Hunden über den Berg, bei jedem Wetter. Was ich schon alles gesehen habe.....nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich einmal so leben würde. Von einem Hochhaus in Nidau, ins Landleben nach Canada.


Dieser Sommer wird mein achtzehnter sein, in Kanada und auf unserem Sunny-Hill. Mein PC quillt über mit Aufnahmen von Tiere und der Natur die ich hier finde. Fotografieren ist auch eines meiner vielen Hobbies.
Nicht nur mein Leben hat sich in den Jahren verändert, auch mein Bewusstsein, meine Prioritäten und meine Art die Dinge zu sehen. Ich habe angefangen zu Malen, ich schreibe mehr als je zuvor, habe gelernt Wolle zu Spinnen und ich habe viel gelernt über Pflanzen und Tiere in meiner Umgebung.
Herbst  2001  

                                                                    Sommer     2016

Unser Anfang war  bescheiden, mühsam und mit viel Arbeit verbunden.....jeder Schritt musste gut überlegt werden, unser Budget war überschaubar. Für fast zwei Jahre hatten wir kein fliessend Wasser, dafür Fernsehen, was für Urs sehr wichtig war :-) Was ich aus dieser Zeit gelernt habe ist, dass der Mensch so viel unnötiges mit sich herumschleppt. Was haben wir doch alles was wir eigentlich gar nicht bräuchten. Je weniger man hat, je weniger kann man verlieren........Ich vermisse nichts.....oder sagen wir mal....sehr wenig. Es ist die innere Zufriedenheit die glücklich macht. 

          Wir hatten Alpacas, ein Schaf mit dem Namen Frieda und Martha eine Hausgans.......

                                      Marthas erstes Bad nach dem langen Winter.......´

Mein Leben ist ausgefüllt mit Leben jeder Art und ich bin offen für alles was auf mich zukommt. 
Manchmal denke ich daran, dass wir unseren Berg gegen etwas kleineres, weniger Arbeitsaufweniges, näher beim Dorf, eintauschen sollten. Ich schau mir auch regelmässig die Häuser an, die auf dem Markt sind. Was glaubst du nach was ich dann suche? Ein einfaches Haus, etwas Land sollte schon mitdabei sein.....nicht gleich im Town......keine direkten Nachbarn......Ja aber das haben wir doch hier schon alles!!



Hier sind wir zuhause, hier haben wir so viel Kraft und Arbeit reingesteckt und solange es unsere Gesundheit erlaubt, solange bleiben wir hier auf unserem Sunny-Hill......
Ich bin dankbar, dass mich das Schicksal hier her "verschlagen" hat.....so dankbar!

Das Kochbuch

Gestern wollte ich etwas Zeit überbrücken und ging in meinen Lieblings "Krim's & Kram's" Laden in Creston. Nichts bestimmtes hatte ich im Kopf, einfach mal so durchgehen. Ich war an diesem Regal schon fast vorbei, als ich erst begriff, was meine Augen da gerade glesen hatten: Food that really schmecks. Ich ging nochmal zurück und nahm das Buch - das einsam auf einer Ablage lag - in die Hand. Schon der Titel gefiel mir gut und es kam noch besser je länger ich darin blätterte.


Zugegeben, das Buch ist abgegriffen, was mir zeigt, dass es ein Kochbuch ist, das gerne und oft benutzt wurde.
Im Vorwort erzählt die Autorin, dass ihre Mennonitischen Vorfahren (um 1800) aus der Schweiz, dem Elsass und dem Deutschen Rheinland nach Waterloo County Ontario, Kanada gekommen waren. Sie sammelte Rezepte ihrer Freundinnen, Verwandten und Nachbarn und fasste sie in einem einfachen Kochbuch zusammen...... Food that really schmecks!





Als ich das Buch durchblätterte stellte ich fest, wie viele der Titel und Worte in Deutsch geschrieben waren. Ich musste  dieses Buch haben, es kostete mich vier Dollar und ich trug es stolz nach Hause.
Zuhause habe ich dann nach der Autorin Edna Staebler gegoogelt. Sie verstarb erst kürzlich im Alter von 101 Jahren. ich hätte ihr so gern geschrieben und gesagt, wie gut mir ihr Kochbuch gefällt. 
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich in einem früheren Leben mit den Mennoiten, Hutterern oder Amischen verbunden war. Ich fühle mich ihnen so nah und vertraut.....




Ja oder nein, oder vielleicht einfach später?

Auf den Tag genau vor 2 Monaten, haben wir Pax gehen lassen. Er hinterliess tiefe Spuren. Chica zog sich traurig zurück, sogar vom Laufen wollte sie möglichst schnell zurück nach Hause. Sie denkt, dass wir Pax zurück gelassen hätten. Komme ich vom Einkaufen nach Hause, springt sie nach der Begrüssung zum Auto.... um nachzusehen ob Pax noch nachkommt. Er war halt oft mit mir "Autofahren." Ich habe ihr Bachblüten gemischt und langsam geht es etwas besser. Aber auch wir fühlen uns irgendwie nicht mehr komplett.....was wir auch nicht mehr sind. Uns fehlt aber auch ein Hofhund, jemand der ein bisschen aufpasst. So habe ich die Tierheime von BC übers Internet angeklickt und abgeklärt, was für Hunde im Moment auf ein "forever Home" warten. Aber entweder waren es Mädchen, was bei uns - wegen Manu - keine Alternative wäre, oder die Buben die auf ein Zuhause warten, sind nicht mit Katzen oder anderen Hunden kompatibel. 
Zwischendurch habe ich mich dann immer wieder gefragt, ob es überhaupt die richtige Entscheidung wäre, schon nach so kurzer Zeit wieder ein neues Mitglied in unsere Familie aufzunehmen. Bin ich bereit für eine neue Hundebeziehung? Dann wurde mir bewusst, dass sich mein Herz nach einem neuen Pax sehnt. So habe ich ganz gezielt nach einem Maremma Ausschau gehalten. Ich bin mir voll bewusst; ein weisser Maremma macht noch keinen Pax. Aber die Rasse, der Charakter, das Temparament und die liebevolle Art dieser Hunde, passt einfach gut zu uns. Zudem würde mir so ein Hund zusätzliche Sicherheit auf meinen Spaziergängen über den Berg geben. 



Nun habe ich über sieben Ecken erfahren, dass jemand jemanden kennt, der einen Freund hat, wo der Nachbar einen Pyrenäen Berghund hat, den er - wegen Familienzuwachs - abgeben muss. Natürlich habe ich mich bei diesen Menschen gemeldet und erfahren, dass dieser Bub im Juli 3 Jahre alt wird und der Besitzer mehr als glücklich, wenn wir ihn nehmen könnten. Es hätten sich ganz viele Interessenten für den Hund gemeldet, aber entweder hätten sie zuwenig Platz, keinen Auslauf, keine Zeit oder es hätte einfach so nicht gepasst.
Diese Pyrenäenhunde gehören in die gleiche Familie wie die Maremmas, sind aber deutlich grösser. Dieser Bube ist auch nicht kastriert, das müssten wir machen lassen bevor er überhaupt zu uns kommen könnte. Ich kann es nicht verantworten, dass dieser big boy meine Mädchen belästigen würde. 
Wir sind nicht reich und mit einem so grossen Hund kommen Mehrkosten für Futter und Vet auf uns zu, dass ich es mir gut überlegen möchte. Mein Herz sagt ja, mein Verstand sagt nein, wenigstens nicht jetzt gleich. Würde es nach Urs gehen, dann besser heute als gar nicht.  Ob man manchmal zu viel überlegt?

Nachtrag:
Die Entscheidung ist gefallen. Es hat sich jemand aus der Nähe gemeldet - ich hätte gute 600km fahren müssen um ihn zu uns zu holen. So ist es auch für den Transport einfacher. Es ist gut wie es ist. Wäre ich mir ganz sicher gewesen, dann hätte ich mir keine Bedenkzeit ausgebeten.
Es kommt wies kommt und mich wird schon wieder so ein Hundebub finden und dann wird alles wieder gut.....danke für eure Anteilnahme.....




Die Wölfe in Golden.....



Golden liegt gute drei Fahrstunden nördlich von uns. Ich fahre diese Strecke von Creston über Cranbrook, Fairmont Hot Springs, Invermere, Radium Hot Springs, (Highway 95) nach Golden sehr gern. Besonders im Frühjahr ist es immer sehr schön. Auf den Bergen ringsum liegt noch immer viel Schnee und im Tal leuchten die Wiesen gelb vom blühenden Löwenzahn.                                                                                                                               
Im April 2016 fuhr ich nach Golden, um die Wölfe zu besuchen. Das kann man. Es gibt dort eine Auffangstation für verletzte Wölfe und verwaiste Jungtiere. Manche der Tiere bleiben für immer in den Gehegen der Station, andere werden gepflegt und wieder freigelassen (ausgewildert). Diese Tiere werden separat gehalten. Ein Besuch in der Wolfstation hatte ich mir schon lange vorgenommen, denn der Wolf ist – neben dem Bären - eines meiner Lieblingstiere. Ich finde ihn und seine Familienstrukturen faszinierend. Am allerliebsten hätte ich auch gleich einen Fotospaziergang gebucht, der von der Station angeboten wird. Das heisst, ein Betreuer fährt mit einem oder mehreren Wölfen und den Besuchern in ein Waldstück, wo man ungefähr eine halbe Stunde mit den Wölfen auf einen Spaziergang gehen kann. Diese Tiere sind an Menschen gewöhnt und fühlen sich nicht gestresst. Das hätte mir schon gefallen, aber für einen solchen Ausflug bezahlt man über dreihundert Dollar (2016). Ich verstehe das, damit finanziert die Organisation Futter und Medikamente für die Tiere. Diese Spaziergänge sind etwas Besonderes, denn die Wölfe können sich während des Spazierganges frei bewegen und man kann sie dabei Fotografieren. Wo hat man schon die Möglichkeit Wölfe in freier Wildbahn, so nahe zu kommen, ohne sich selber in Gefahr zu bringen. Aber heute werde ich einfach nur einen Besuch machen und der Spaziergang muss warten.                                              Es war 14.00 Uhr, als ich bei der Wolfstation in Golden ankam, das Wetter war sonnig und angenehm. Der Eintritt kostete nicht viel, so um die neun Dollar habe ich bezahlt. Die junge Frau die meinen Eintritt kassierte - ich denke sie war eine Studentin - versprach mir, mich gleich bei den Gehegen zu treffen. Mit dem Eintritt ist eine kleine Tour durch die Station inbegriffen. Ich freute mich und war gespannt, was ich alles zu sehen und zu hören bekommen würde. Ausser mir waren noch zwei junge Männer da, die wie ich auf die junge Frau warteten. Die Führung dauerte ungefähr zwanzig Minuten und war sehr lehrreich. Ich war total begeistert, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Zu jedem Tier, das zu dem Zeitpunkt in der Station war, konnte sie eine Geschichte erzählen. Aber auch über Wölfe im Allgemeinen, wusste die junge Frau sehr gut Bescheid. Es war sehr spannend und kurzweilig und die Zeit verflog im nu.
Aber ich muss auch zugeben, dass mich der Anblick der Wölfe hinter Gitter, traurig gemacht hatte. Wenn man weiss, wie freiheitsliebend diese Tiere sind, wieviel Platz sie bräuchten und wie weit sie mit ihrem Clan ziehen, dann ist diese Art der Haltung unmöglich. Umgekehrt, diese Tiere hier wären nicht mehr am Leben, hätte die Station sie nicht aufgenommen und gepflegt. Alles hat eben seine zwei Seiten. 
Ich habe mich dann gefragt, wäre es oft nicht humaner, ein so freiheitsliebendes Tier wie der Wolf ist, einzuschläfern, wenn er keine Cancen auf Auswilderung hat? Anstatt ihn auf Biegen und Brechen zu retten und dann in Gefangenschaft zu halten? In Gefangenschaft verarmen diese Tiere, werden oft seelisch krank und verhaltensgestört. Das Dasein das sie nach ihrer «Rettung» oft jahrelang fristen müssen, entspricht nicht ihren Bedürfnissen. Ich denke das ist falsche Tierliebe,  ist egoistisches, menschliches Verhalten.



Ich habe keine Bezeichnung......



Seit siebzehn Jahren lebe ich hier in Kanada, auf unserem Berg, in meiner eigenen kleinen Welt.  Was nicht heisst, dass ich nicht mitbekomme was draussen in der realen Welt alles vor sich geht. Was mich im Moment so beschäftigt, sind die Berichte über vergiftete Hunde, von mit Nägelbestückten, ausgelegten  Ködern. Erst habe ich mir gedacht das ist wohl so ein Spinner, einer der alles hasst, sich selbst am meisten. Diese Berichte häufen sich und man spricht nun fast tägelich über einen neuen Fall. Diese Köder werden ausgelegt auf Feldwegen, im Wald und überall dort wo die Täter annehmen, dass Menschen mit ihren geliebten Vierbeinern zum Laufen gehen. Hinterlistig legen sie vergiftete Fleischstücke, oder Wurststücke mit spitzigen Metallgegenständen aus. Schmeissen die Köder über Nachbars Gartenzaun, weil der Hund zu oft bellt.  Ich bin mir nicht sicher wen sie verletzen wollen, die Hunde oder ihre Menschen. Diese Täter nehmen in Kauf, dass auch andere, freilebende Tiere diese Köder fressen und elendiglich krepieren. Für diese Spezies finde ich keine passende Bezeichnung.....sie haben nichts menschliches mehr und für ihr Tun gibt es weder Verständis noch eine Rechtfertigung. 
Vor ein paar Tagen habe ich nun von unserem Vet gelesen, dass auch hier in Creston ein paar Hunde mit Vergiftungssymptomen eingeliefert worden sind. Sie waren weder im Wald noch auf freiem Feld. Die Hunde fanden diese scheinbaren Leckerbissen im "Dog park" einem Platz wo Hunde rennen, spielen und sich kennen lernen dürfen.
Was ist los mit uns Menschen.....unseren Herzen..... der Verantwortung gegenüber der Natur, den Tieren......und den Schwächeren in unserem Glied der Kette?



Es vergeht wohl kein Tag, an dem ich mich nicht mindestens ein dutzend Mal beim lieben Gott bedanke, weil ich hier Leben darf. Meine Tiere, Tiere sein dürfen..........


.......und wir Menschen uns sicher fühlen können......und Platz genug zum Atmen haben.... 


                                                Kootenay Lake und unsere Berge........

War es jetzt Zufall, (glaube nicht an Zufälle) dass ich heute auch noch eine Sendung von Menschen bei  Maischberger anklickte und das Thema war: Verroht unsere Gesellschaft? 
Tut sie das? Den Eindruck könnte man bekommen, wenn man liest was sonst noch alles um uns herum passiert. Hunde dürfen nicht bellen und rennen, Kinder nicht spielen und laut sein, alte Menschen sollten nichts kosten und da Leben wo man sie nicht sieht und seine eigene Meinung zu vertreten ist schon lange riskant. Kaum zu glauben, dass wir Menschen es aus eigener Kraft soweit gebracht haben.......kein Wunder dass wir zum Mond und zum Mars fliegen müssen in der Hoffnung auf mehr Platz und ein friedlicheres Leben. 

7 Jahre und 3 Wochen


Letzten Dienstagabend (16. Januar) mussten wir von unserem Boy Abschied nehmen. Obschon  wir schon vor ein paar Tagen bemerkt haben, dass ihm das Aufstehen immer mehr Mühe machte, wollten wir es nicht wahr haben. Noch am 3. Januar, war ich mit ihm in der Tierklinik, um eine Cartrophen Spritze machen zu lassen. Pax war schon seit mehr als einem Jahr an diesem Programm, das ihm immer gut getan hatte. Dieses Mal brachte es nur für ein paar Tage Erleichterung. Wir waren uns einig, Pax soll nicht leiden.....
Schweren Herzens telefonierten wir am Montagmorgen unserem Vet, der Pax seit seinem Unfall vor 4 Jahren kannte und betreut hat. Leider war er am Montag nicht da und wir mussten warten bis Dienstagabend. Es waren wohl die längsten und schmerzhaftesten 2 Tage. 
Rob -- unser Vet -- kam am Dienstagabend zu uns auf den Sunny - Hill und Pax durfte in seinem Kissen, den Kopf in meinen Händen, friedlich einschlafen......
Für die 7 Jahre und 3 Wochen die wir Pax mit in unserer Familie hatten, bin ich sehr dankbar.
Wieviel Freude und Liebe haben wir in diesen Jahren geteilt......aber auch Leid. Vor 4 Jahren musste Pax - nach einem Unfall - das hintere Bein amputiert werden. Er hatte sich gut erholt und liebte die Spaziergänge über unseren Berg.......unten habe ich 2 Geschichten aus dem Buch: KANADA IST BÄRENSTARK   angehängt. Es erzählt wie Pax zu uns gekommen ist. Er hatte mich ausgesucht.....es musste so sein. Er war mein treuer Begleiter auf all meinen Wanderungen über den Berg, ich werde ihn schmerzlich vermissen......

Viele die meinen Blog seit längerem regelmässig lesen, kennen die Geschichte von Pax....seinem Unfall und unseren Sorgen um ihn und Pax's "Mödeli"  :-) 
Ich danke euch allen für eure guten Gedanken......die ich immer spüren durfte......


Wieder bereit (Dezember 2010)

Vorgeschichte; Wir mussten unsere Cindy eine Bernerin, im Juli 2010 einschläfern lassen. Ich hatte sehr darunter gelitten und habe dann auch meine Alpacas weggegeben und auch für die Gans Martha einen neuen Platz gesucht......wie gesagt, es ging mir wirklich nicht gut.....
Still ist es geworden in und vor allem, um unser Haus.Zurzeit ist Maite (Boxermädchen) unser einziger Hund und ich habe den Eindruck, sie fühlt sich einsam. Cindy (Bernerin)  fehlt ihr … Martha (die Gans) ist nicht mehr da und die Alpacas kann man auch nicht mehr ärgern.
Urs hatte mich in den letzten Wochen öfters darauf angesprochen, ob ich nicht wieder einen Hund aufnehmen möchte. Es pressiert mir nicht, aber ich habe doch angefangen, die Internetseite von Paw’s (unserem Tierheim in Creston) anzuklicken. Da sind Tiere aufgelistet, die ein neues Zuhause suchen.
Im November fragte ich Urs, ob wir mal hinfahren könnten, ich hätte da einen Hund entdeckt, wo zu uns passen könnte. Ich möchte kein Puppy haben, so ab 6 Monate, nicht jünger. Es sollte ein Hund sein, den ich zum Laufen über den Berg mitnehmen kann, also nicht zu klein und ich möchte keinen Buben haben – die machen durch ihre "Pinkelei" die ganzen Büsche ums Haus kaputt! Ich hatte also eine ziemlich klare Vorstellung, von einem neuen Mitbewohner, wenn ich denn überhaupt einen möchte.Urs und ich fuhren am nächsten Tag ins Tierheim, um mal mit den Leuten dort, ein Gespräch zu führen. Man kannte uns zwar, aber wir hatten noch nie ein Tier von Paw’s, adoptiert.
Urs hatte ich nur gesagt, dass auf der Paw-Seite ein Labradormädchen abgebildet ist, das zu uns passen würde.Das Tierheim in Creston wurde 2009 neu gebaut, hat jetzt wirklich schöne Zwinger und einen super grossen, grünen Auslauf für die Hunde. Die Katzen haben ein Extragehege, wo sie draussen sein können. Alles wird ehrenamtlich und mit Liebe geführt und der Unterhalt wird von privaten und Gemeinützigen Spenden unterstützt und getragen.      Wir wurden von einer der Mitarbeiterinnen durch die Känel geführt, wo auch das Lab-Mädchen untergebracht war. An der Käneltüre war ein Schild, mit ihrem Namen angebracht: "Shelby!"Shelby war ein Golden Labrador Retriever, 6 Monate alt und ein richtiger Flegel. Ihr vorheriger Besitzer war mit dem Energiebündel total überfordert und hatte keine Zeit für lange, tägliche Spaziergänge, die sie so sehr bräuchte, genau wie ich!Ich füllte einen langen Fragebogen aus – wo und wie, wir leben, warum wir einen Hund nehmen möchten und noch vieles mehr.Wir fuhren nach Hause mit dem Versprechen, dass wir Shelby in den nächsten 10 Tagen abholen können und darauf freute ich mich.Dann kam alles anders …
Diane, eine Trainerin für Rescue Hunde – sie arbeitet auch bei Paw’s – rief uns nach ein paar Tagen an und fragte mich, ob ich vielleicht auch einen anderen Hund nehmen würde?
Da wäre dieser Maremma … 3 Jahre alt, er würde zurzeit bei ihr wohnen, weil er nicht mit anderen Hunden zusammen sein kann und weil es nicht möglich ist, ihn in einem Zwinger zuhalten.Eigentlich war dieser Maremma gar nicht vermittelbar, aber vielleicht könnte ich es doch probieren??

Pax

Dieser Vorschlag, dass wir nicht Shelby, sondern einen "Problemfall" nehmen sollten, kam etwas unerwartet und ich wollte das nicht einfach so entscheiden. Wenn dieser Hund sich nicht mit anderen Hunden verträgt, dann geht es nicht! Maite soll sich in ihrem Alter -- sie war damals 10 Jahre alt -- nicht mit einem agressiven Artgenossen rumschlagen müssen.Diane schlug vor, dass wir uns alle beim Tierheim treffen, sie mit Pax (dem Problemfall) und wir mit Maite und dann schauen wir mal, wie die Hunde sich vertragen. Ja, das ist eine gute Idee, darauf kann ich mich einlassen.Diane erwartete uns schon mit Pax – einem schneeweissen "Maremmana Abruzzese" (Italienischer Herdenschutzhund). Ich nahm Maite an die Leine und ging mit ihr rüber zu Diane und Pax, der uns keines Blickes würdigte. Wir liessen beide Hunde nebeneinander herlaufen, was überhaupt kein Problem war. Maite ist ein unverdorbener Hund, hat keine schlechten Erfahrungen machen müssen, und so schnell kann man sie nicht aus der Ruhe bringen. Ab und zu schielte sie schon nach dem abweisenden Weggenossen, aber das war auch alles.Nach diesem Versuch, setzte ich Maite wieder ins Auto und ging zurück zu Diane und Pax. Ohne grosse Mimik sass der Hund da, sah mich nie an und ich traute mich nicht, ihn zu streicheln....und das braucht schon viel!Diane sprach vom Maulkorb tragen -- wenigstens die erste Zeit, --  separater Fütterung, er brauche viel Zeit, wäre misshandelt worden, hätte zugebissen. Pax sei misstrauisch, ängstlich und manchmal auch agressiv. Er hätte keine Chance auf eine normale Vermittlung, die kleine Shelby schon!Über Pax gibt es ein psychologisches Gutachten, wo drinsteht: "Pax ist nicht agressiv in seinem Wesen, wurde nur an den falschen Platz platziert – in einer Stadtwohnung !! – musste schlechte Erfahrungen mit Menschen und Hunden machen."Für Pax ist alles schiefgelaufen, in seinem kurzen Leben!Der Boy tat mir unendlich leid, aber ich war mir nicht sicher, ob ich mir diese Aufgabe zutraue …Was, wenn etwas passiert, wenn Pax bei uns ist? Wenn er Maite verletzt? Ein Maremma ist ein ziemlich grosser Hund und er ist ein Rüde! Ich wollte mir wirklich sicher sein.Urs hatte sich rausgehalten, er weiss, dass es meine Aufgabe sein würd, mit Pax zu Arbeiten.Kurz vor Weihnachten habe ich Diane angerufen und ihr gesagt, dass ich Pax eine Chance geben möchte.Maulkorb habe ich keinen gekauft, wenn es ohne nicht geht, dann geht es gar nicht! Ich hatte im Secondhand-Store ein Absperrgitter gekauft, für alle Fälle, mehr hoffte ich, nicht zu brauchen. Ich wollte es auf meine Weise probieren: "Mit Liebe und Geduld!"Am 26. Dezember 2010, brachte Diane Pax zu uns. Ich habe vor dem Haus auf die Beiden gewartet und ich bin gleich mit Pax auf einen kurzen Spaziergang im Schnee gegangen. Ich hatte ihn an der Leine und er trottete neben mir her, nicht wirklich interessiert … teilnahmslos. Es hat mir fast das Herz abgedrückt, was muss man diesem Tier angetan haben, dass es sich nicht mehr freuen kann. Während unseres Spaziergangs, habe ich mit ihm geredet, immer wieder seinen Namen gesagt und irgendwann, hat er zu mir hochgeschaut, das war’s! Da wusste ich, es wird klappen mit uns beiden!So schnell ging es dann doch nicht, Pax brauchte extrem viel Zeit, viel Geduld und Liebe aber all das konnte ich ihm geben.

                                                Pax dachte immer er sei ein kleiner Hund.......

Die ersten Wochen mit Pax

 Als Diane an diesem Nachmittag wegfuhr und ich mit Pax alleine war, habe ich als erstes ein Fläschchen mit Notfalltropfen für Pax gemixt. Ob er sie nimmt?Das erste Abendessen für Maite und Pax, verlief ohne Probleme. Pax bekam seinen Napf da, wo er Maite nicht sehen kann. Langsam und bedächtig hat Pax seine erste Mahlzeit bei uns eingenommen. Maite hatte ihren gewohnten Platz und sie kümmerte sich eh nicht um den neuen Hausgenoss. Die erste Hürde wäre also genommen. Aber es gab noch viele andere, die genommen werden wollten.Zum Beispiel schreckte Pax dauern aus dem Schlaf hoch, scheinbar ohne Grund, einfach so, auch wenn niemand umherging, oder ihn seine Nähe kam.Er zog die Lefzen hoch, zeigt die Zähne und knurrt hässig. Das gleiche passierte, wenn Maite aufstand, umherging oder in seine Nähe kam. Mit, in seine Nähe, meine ich einen Radius von 4-5 Meter! Ich habe dann Pax mit einem kurzen: "Pax NO" zurechtgewiesen. Habe ihn dann aber gleich beruhigt und gestreichelt. Oft hatte ich das Gefühl, dass er gar nicht wusste wo er war und seine erste Reaktion, ist halt Abwehr.Die ersten paar Tage des Zusammenlebens waren nicht sehr entspannt für uns, aber ich spürte, dass Pax das gemeinsame Laufen, sehr gut tut. So sind wir oft einfach zusammmen durch den Schnee gewandert, haben uns irgendwo hingesetzt, ein Sandwich geteilt, und ich habe immer mit Pax gesprochen, ihn im Arm gehalten und gekrault. Er hielt dann ganz still und ich spürte, das tut Pax gut.Als er das erste Mal Freude zeigte, als ich ihm das Halsband umlegte, er mir zu verstehen gab, dass er sich freut, wenn wir zusammen rausgehen, da war ich sehr glücklich und ich wusste, mein Weg war richtig.

Pax schaute mich nun auch oft aufmerksam an und rief ich ihn bei seinem Name, dann kam er! Ich lobte Pax sehr oft, er schien auf das: "Good boy, such a good boy" zu warten. Er wusste dann, dass er alles richtiggemacht hatte.Etwa vom 3. Tag an traute ich mich, Pax zu massieren. Ich hatte den Eindruck, dass er die liebevollen Berührungen geniesst aber wirklich entspannen, konnte er erst nach ein paar Tagen, da schlief er dann regelmässig ein.Langsam bekam er Vertrauen und unsere vielen, kleinen Rituale, hat er schnell begriffen und für Pax waren sie extrem wichtig. Diese kleinen Gewohnheiten gaben ihm die nötige Sicherheit, um sich wieder in einer Familie einzuleben.Ich habe erst später erfahren, dass wir für Pax, der 6. Platz sind! Keiner hatte die nötige Geduld und sich die Zeit genommen, die dieser Hund gebraucht hätte.
Dass er zur Rasse der Schutzhunde gehörte, machte die Haltung nicht einfacher.Ein Maremma ist kein Hund für jedermann, schon gar nicht, wenn er in einer Wohnung leben muss. Pax liebte es im Schnee zu liegen, für Stunden! Er ist ein outdoor dog!Auch die Erziehung ist ein bisschen anderes als bei einem Boxer oder einer anderen Rasse. Pax lässt sich nur soweit erziehen, wie es für ihn Sinn macht. Stöckchen holen oder Agility, ist für einen Maremma nicht wirklich witzig oder fun.Lässt man ihm seinen Willen – bei der nötigen Konsequenz – und eine Rückzugsmöglichkeit, ist er ein ganz feiner und lieber Kamerad … fast wie ich! :-)


Ich habe eine Freundin


Meine Freundin Irma aus Brügg b. Biel, versprach mir im November, dass ich ein Päckli bekommen würde. Dieses Mal würde sie es früh genug aufgeben, damit es ja an Weihnachten hier bei mir, in Kanada ankommt. Ende November erhielt ich eine kurze Nachricht von ihr, dass das Päckli unterwegs sei......ja dann!

Gestern, 5. Januar 2018 hat Urs, Irma's Päckli bei uns aus der Mail Box genommen. So lange war glaube ich, noch keine Sendung unterwegs. Ich hatte schon zwei Mal auf dem Postdepot in Creston nachgefragt. Hätte ja sein können, dass der Bostbote vergessen hat einen Abholschein zu hinterlegen.....hätte sein können. War es aber nicht. Vielleicht war es einfach das Wetter, das ist doch immer eine gute Entschuldigung. :-)  Wie auch immer.....ein grosses Dankeschön meiner Freundin Irma.....Danke! 

ich schätze diese Päckli aus der Schweiz sehr, sind es doch (meistens) Dinge die wir hier nicht kaufen können. Sachen die ein bisschen Heimatgefühle aufkommen lassen. Aber es sind nicht nur die "Sachen," die mir viel bedeuten. Es ist die Vorstellung, dass sich jemand die Zeit genommen hat, an mich gedacht, sich überlegt hat,  mit was er uns eine Freude machen könnte. Diese Geste bedeutet mir sehr viel....wo ich doch weiss, wie busy alle Menschen normalerweise sind. Darum grad no mou es merci viu mou!

Irma und ich sind seit 1970 befreundet.....ist das nicht enorm? Wir kennen uns länger als wir unsere Männer gekannt haben, bevor wir Kinder hatten, wir kennen uns seit Ewigkeiten!! 
Es ist schon etwas besonderes, wenn eine Freundschaft so lange hält.....besonders weil ich seit fast 17 Jahre in Kanada lebe. 


Früher, als die Kinder noch klein waren, gingen wir zusammen Einkaufen und tranken Kaffee und assen Kuchen (genau so wie es sein sollte! :-)).  Oder wir unternahmen mit den Kindern  Wanderungen und Ausflüge......Weissenstein, Twannbachschlucht, Taubenloch.......und so fort.....
Als die Kinder grösser waren, trafen wir zwei Frauen uns allein. Wir feierten unsere Geburtstage und vieles mehr......
Eigentlich sind wir sehr verschieden.....und dennoch hält unsere Freundschaft an, was mir sehr viel bedeutet......danke Irmeli......
Deine Freundin Ursi