Ausgewandert!


Mit 51 Jahren bin ich (2001) vom Bernischen Seeland
(Schweiz), nach British Columbia, Kanada ausgewandert. Warum? Fast würde ich
sagen, es hat sich einfach ergeben, musste so sein. Manchmal habe ich das Gefühl,
das Schicksal hat ganz toll mitgeholfen. Urs und ich lernten uns in einem Internet Chatroom kennen.
In langen Chat-Nächten tauschten wir unsere Ideen aus, Träume vom etwas anderen Leben.
Bis wir zum Schluss kamen, es doch zusammen zu probieren. Aber wenn ein Partner in der Schweiz lebt und der andere in Kanada, dann ist das nicht so einfach.
Im September 2000 flog ich zum ersten Mal nach Kanada um Urs persönlich zu treffen und um einen ganz kleinen Teil von diesem unermesslich grossen und wunderschönen Land kennen zu lernen. Ich sah die Wälder, die unberührten Ufer der Flüsse, die so klar waren. Die verschneiten Rockies, Adler die im Winde segelten. Das alles hat mich tief beeindruckt, tat meiner Seele gut und es war einfach nur schön.
So beschloss ich, mein altes Leben aufzugeben und nach Kanada auszuwandern um mit Urs einen Traum zu verwirklichen; den Traum vom einfachen und freieren Leben! Allen die sich schon mal Gedanken zum Auswandern gemacht haben sei hier gesagt, so einfach wie sich diese Story nun liest, so einfach war es nicht. Nur so viel, wir kauften uns im Mai 2001 in der Nähe von Creston ein Grundstück, einen Berg, den wir Sunny-Hill nennen. Es kostete uns viel
körperliche Arbeit und so manche Entbehrung, nur damit wir überhaupt auf dem Grundstück leben konnten. Alles mussten wir von Grund auf bauen, denn es war nichts vorhanden. Kein Wasser, keine Elektrizität, keine richtige Zufahrt. Das Grundstück war in seinem natürlichen Zustand: Busch und Wald. Als Entschädigung dürfen wir in der freien Natur leben, bekommen Besuch von Hirschen und Rehen, Kojoten und auch Bären. Für nichts würde ich mein Leben hier eintauschen!
Im August 2015 ist mein Buch:
KANADA IST BÄRENSTARK publiziert worden. Es sind Geschichten über Begegnungen mit Menschen, über meine Tiere, von Kojoten und Bären,
aus unserem Alltag eben! :-)




Menschen auf dem Sunny-Hill

Menschen auf dem Sunny-Hill
Mein täglicher "walk" über den Berg...hier mit Pax (Maremma) und Maite ein Boxergirl

Frühling, Zeit der Bären

Frühling, Zeit der Bären
Frühling, Zeit der Bären

Cougar Alarm in Creston

                           Dieses Bild ist gestohlen, ich würde mich nie trauen........

Seit letzter Woche ist in Creston Alarm......Cougar Alarm. Man ist nicht sicher ob es sich immer um das gleiche Tier handelt, oder ob mehrere die Gegend unsicher machen. Letzteres ist eher wahrscheinlich. Verschiedentlich wurde ein Cougar nahe bei den Häusern gesichtet......dann wieder mehr in der Nähe von einer Farm. Der Hunger und die Kaloriensuche für den Winter,  treibt die Tiere noch einmal auf Futtersuche. Mit Pumas ist nicht zu Spassen, sie kommen auf leisen Sohlen angeschlichen und greifen meistens aus dem Hinterhalt an. Höchste Vorsicht ist geboten. Eine Frau schrieb, dass sich ihre Hunde ganz verrückt benehmen würden, weil ein Cougar umherschleicht.

In diesem Herbst ist alles ein bisschen anders. Wegen der vielen Waldbrände, die es in diesem Sommer überall gab, mussten die Tiere immer wieder fliehen und verloren so oft ihre natürliche Nahrungsquellen. Gerade die Bären suchen jetzt vermehrt die Fruchtbäume und Gärten auf ,wo sie noch etwas zum Fressen finden können.  Zwar werden jedes Jahr diesbezügliche Verhaltensregelungen in Zeitungen und Fernsehen wiederholt. Dass man doch die Bäume von den restlichen Früchten säubern soll, das Obst am Boden einsammeln und den Garten leer machen. Aber nicht immer ist es damit getan. Immer wieder liest man, dass Bären in Abfallkontainer (die auf dem Land fast bei jedem Haus stehen) einsteigen, dann festsitzen und aus eigener Kraft nicht mehr rauskommen. Also auch da; Kette dran! Noch ein paar Wochen, je nach dem wann der Schnee und die Kälte kommt, dann wird Ruhe einkehren, was die Mutzen betrifft. Der Cougar wird weiterhin auf Pirsch gehen müssen.

Wenn Vollmond ist........

 

Ein Mal im Monat, wenn der Mond die Nacht zum Tag macht..... ist bei uns auf dem Sunny-Hill regelmässig ein unruhiges Treiben. Nicht der helle Mond raubt mir den Schlaf, nein es ist Pax, der in solchen Nächten ganz viel Arbeiten muss! Er verbellt all die Tiere die genau so unruhig den Berg rauf oder runter ziehen. Er schimpft mit den heulenden, kläffenden und jäppenden Kojoten, die in solchen hellen Nächten genau so aktiv sind und ihm dann Antworten.  Auch die Hunde in der Nachbarschaft kommunizieren untereinander. Wird es dann zu viel, muss Pax ins Haus kommen, dann ist Ruhe. Man kann nicht mit ihm schimpfen, er ist ein Schutzhund und tut nur seinen Job. Ist er im Haus, ist er vom Job befreit und wir können auch noch ein paar Stunden Schlaf bekommen.
Einmal als Christina meine Tochter bei uns in den Ferien war --- ich glaube es war über Weihnachten --- hatten wir auch eine so helle Vollmondnacht. Kurz vor Mitternacht zogen wir beide uns warm an und gingen zu Fuss durch den Schnee, den Berg hinauf. Auf einer Lichtung standen wir dann, als plötzlich, ganz in unserer Nähe ein paar Kojoten anfingen zu heulen. Eigentlich hofften wir, ein paar Hirsche im Mondlicht zu sehen. Als das Heulen und Jäppen immer näher kam, gingen wir zurück. Plötzlich hatte es überall Schatten......bewegten sich Büsche.....hörte man sonderbare Geräusche.......
Unsere Schritte wurden immer schneller und wir drehten uns erst wieder um, als wir das Haus im Blick hatten. Angst? Nein, natürlich nicht!!

John's dritte Zähne

Diese kleine und wahre Storey von John, hatte ich vor ein paar Wochen in meinem Mundart Blog geschrieben. Ich habe dann ein paar Zuschriften von enttäuschten Lesern meiner Bärenstark Seite bekommen, was ich total verstehen kann. Die "Bärner Mundart Geschichten" sind wirklich nur für Schweizer lesbar. Trotzdem schreibe ich zwischendurch gern in meinem Dialekt und bitte um Verständnis dafür.....danke.


Vor ein paar Tagen habe ich mich mit meiner Freundin Ursula am Telefon unterhalten. Sie kommt ursprünglich auch aus der Schweiz, lebt aber schon viele Jahre mit ihrer Familie auf einer Farm in der Nähe von Smithers. Das liegt im Norden von unserer Province. Ursula erzählte mir unter anderem, dass sie auch an der alljährlichen 1. Augustfeier waren. Diese Party organisiert der Schweizer Club von Smithers, zur Ehre des Nationalfeiertages der Schweiz. Feste dieser Art werden von Auslandschweizern sehr gerne besucht. Man trifft alte Bekannte genau so, wie Neuzugezogene. Will man etwas erfahren, dann ist das genau der richtige Platz. Jeder weiss irgend etwas zu Neues zu erzählen, so auch Hans --- hier in Kanada heisst er John. John, ein rüstiger Senior Mitte achtzig, ist ein alter Bekannter der Familie. So fragte ihn Ursula, wie es ihm denn so gehe? John setzte sich zu ihr und fing an zu erzählen. Jetzt gehe es ihm wieder viel besser, seit er seine dritten Zähne wieder habe. Ja was denn passiert sei, fragte Ursula. Well.....fing John an, sein Zahnersatz sei kaputt gegangen und der Zahnarzt hätte ihm  auf sein Nachfragen geraten, die Zähne nach Prince George in ein Zahnlabor einzuschicken. Die würden sie reparieren und nach getaner Arbeit, an John zurück schicken. Alles kein Problem! Gesagt, getan. John packte seine Zähne sorgfältig ein und schickte sie an die Adresse, die sein Zahnarzt ihm aufgeschrieben hatte. Nun hiess es warten......und John wartete und wartete.  Nach ein paar Wochen meinte er doch, dass seine Zähne eigentlich fertig sein müssten. Er meldete sich noch ein Mal beim Zahnarzt und fragte nach, wie lange denn so eine Reparatur normalerweise dauern würde? Die nette Lady an der Rezeption anerbot sich, die Klinik in Prince George anzurufen und abzuklären, warum das so lange dauert, mit Johns Zähnen. Das Telefon war auf Speaker Phon gestellt und John konnte mithören. Das Girl auf der anderen Seite der Leitung lachte und meinte nur: oh ist das auch einer von denen! Sie hätten schon ein paar Dutzend Zähne, die nicht an ihre Eigentümer zurück geschickt werden konnten, weil der Absender fehlte und auch sonst keinen Namen mit dabei war. Da gibt es nur eine Lösung: John muss nach Prince George kommen (gute viereinhalb Stunden Fahrzeit) und sich durch die namenlosen Zähne probieren. Irgend ein paar wird dann bestimmt passen. :-)                                                 Ich fand die Story so lustig, dass ich sie weitererzählen musste. Ich hatte John vor meinen inneren Augen, wie er sich durch ein paar Dutzend Zahnprothesen probiert, bis es "klick" macht und er seine gefunden hat. Einen schönen Herbst wünsche ich euch! 
 
 
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Facebook sei Dank


Bist Du auch bei Facebook? Ja aber nur ab und zu mal. Viele geben nur ungern zu, dass sie im FB rumhängen.
Ich steh dazu, ich bin bei Facebook und zwar ziemlich aktiv. Ich engagiere mich in ein paar Gruppen und finde die meisten davon auch gut. Ich poste, ich kommentiere,  ich like, wow'e und ich weine auch ab und zu. Es gibt Post's die überspringe ich ungelesen - einfach weil ich sie nicht ertrage oder weil sie mich nicht interessieren. Man muss ja nicht alles lesen um eine Meinung zu haben.
Durch die Gruppenbeteiligung habe ich auch viele neue "Freunde" gewonnen. Die meisten kenne ich nicht persönlich.  Dennoch haben sich wirkliche Freundschaften ergeben. Wir telefonieren oder schreiben "richtige" Briefe und mit Einzelnen habe ich mich sogar getroffen. Es ist also nicht alles nur oberflächlich und anonym wie man es erwarten könnte.

Natürlich, gibt es auch die anderen Reaktionen. Die, wo man sich dann einfach wieder mit jemandem auf der Liste "entfreunden" muss. Aber ist das im richtigen, realen Leben oft nicht auch nötig?
Und----es gibt Missverständnisse! Ja die gibt es vielleicht mehr, als wenn man sich gegenüber stehen würde. Wenn der Ton die Musik macht und nicht ein paar Worte so gelesen werden, wie sie vielleicht gar nicht gemeint waren. Entschuldigungen werden dann oft gar nicht mehr angenommen oder übersehen, was bei all den vielen neuen Posts schnell mal passieren kann.                               Besonders den "likes" stehe ich eher neutral gegenüber. Viele lesen doch gar nicht um was es eigentlich geht......sie liken einfach alles....... und ich bin nicht die Ausnahme! Obschon ich mir viel Zeit nehme die Bilder und Posts zu lesen, besonders von Mitgliedern die ich kenne.

Aber eines habe ich auch gelernt: nicht alles so persönlich zu nehmen.  Gerade wenn man sich aktiv in einer Gruppe bewegt, tut man sich selber Gutes,  nicht auf herbe Sprüche und eine ungehobelte Sprache zu reagieren. Man muss akzeptieren können, dass Menschen die man noch nie gelesen hat, sich plötzlich auf einem sprachlichen Level gegen einem stellen, dass man nur noch "ja Hallo" sagen kann. Spätestens dann wenn ich mich anfange zu hinterfragen, ob ich noch am richtigen Platz bin, spätestens dann höre ich auf, in dieser Gruppe zu posten. Denn ich habe ja die Wahl! Nicht bei allem was man macht  im Leben hat man die Wahl, bei FB schon.  Ohne Probleme kann ich Menschen den Rücken kehren, die meine Zeit und Beachtung nicht verdienen!
Nur gut, dass mich das wirkliche Leben nie vergisst....... :-)

In diesem Sinn danke und Feedback ist sehr willkommen!

Ein Potluck

Topfglück, so übersetzte mir Google das Wort Potluck, als ich einen deutschen Ausdruck für dieses Wort suchte. In unserer Gemeinde (Yahk) wird von Mai bis Ende Oktober, jeden letzten Samstag im Monat, ein Potluck Abendessen in der Community Hall (Mehrzweckhalle), organisiert. Ab 17.00 Uhr können die Speisen in der Küche der Halle, abgegeben werden. Ein Potluck ist eine einfache aber spannende Sache. Denn jeder der am Abendessen teilnehmen will, bringt ein warmes Gericht, einen Salat oder ein Dessert mit. Wer nichts mitbringen kann, ist trotzdem herzlich willkommen, er bezahlt dann fürs Essen fünf Dollar pro Person. Das mitgebrachte Essen wird in der Küche nochmals heiss gemacht und dann auf einem grossen Tisch ausgebreitet, wie ein Buffet.


bei der 2. Runde ist die Schlange kürzer....
In der Halle sind lange Tische und Bänke aufgestellt und jeder setzt sich irgendwo hin. Die meisten der Besucher kennen sich, sind Nachbarn. Das Wort „Nachbar“ wird ziemlich grosszügig angewendet. Denn auch wenn man – wie wir – fünfzehn Kilometer weiter aussen lebt, ist man trotzdem immer noch ein Nachbar.                                                                                                                               Die Gemeinde Yahk hat etwas mehr als einhundert Einwohner, die weit gestreut sind.
Um 17.30 Uhr wird ein Tischgebet gesprochen und dann heisst es: „The buffet is open.“
Man nimmt sich einen Teller und stellt sich geduldig in die Reihe der Wartenden, wo es meistens schon recht gesprächig zu und hergeht. Man fragt, wer was mitgebracht hat und freut sich über die vielen Köstlichkeiten. Mir ist schon beim ersten Potluck aufgefallen, dass die Leute ihre Teller nicht vollschaufeln als hätten sie die ganze Woche nichts zu essen gekriegt. Keiner hat Angst, dass er nicht genug bekommt. Denn meistens ist auch nach dem dritten Durchgang immer noch „Food“ da. Die Gerichte bestehen meistens aus Eintöpfen, Lasagne (bring ich gern mit) und Suppen. Dazu gibt es je nach Saison verschiedene Salate. Aber auch gebacken wird fleissig; Brot, Brötchen und natürlich Kuchen, Muffins und Cookies. Im Vordergrund eines Potluck steht aber das Zusammensein. Nach dem Essen wird noch für etwa ein oder zwei Stunden – je nachdem wie die Leute mitmachen - Musik gemacht, getanzt oder jemand weiss etwas Lustiges zu erzählen.

 an diesem Abend waren nicht so viele "Nachbarn" da :-)
Das Geld das dabei zusammen kommt, wird an notleidende in der Gemeinde verteilt. Einmal wurde ein zusätzlicher Potluck organisiert und es wurde um Spenden – finanziell wie materiell – gebeten. Eine kinderreiche Familie hat durch einen Hausbrand ihr ganzes Hab und Gut verloren. Das Gefällt mir hier sehr gut, die Menschen sind hilfsbereit und geben gern, auch wenn jeder nicht viel übrig hat.

Nachbar's Torque


 
Seit Wochen ist es sommerlich heiss und darum essen wir unseren Lunch jetzt immer unter den Bäumen am Schatten, hinter dem Haus. Gestern gab es ganz plötzlich während des Essens eine Aufruhr. Alle drei Hunde rannten bellend zum Gartentor. Ich stand auf und sah von weitem kurz über den Zaun.....nichts zu sehen.
Die Hunde wollten sich nicht beruhigen und so beschloss Urs, kurz die Einfahrt runter zu fahren um zu sehen, ob irgendwas los ist. Manchmal fahren Leute mit dem Auto oder Camper bei uns rein um sich, die Kinder, die Hunde....oder alle.....zu entleeren. Wäre ja nicht so schlimm, wenn sie ihren Mist nicht liegen lassen würden! Etwa 6 Km von uns entfernt gibt es eine Rest Area, mit Tischen, Bänken, und einem sauberen WC......also keinen Grund, um in eine private Strasse zu fahren. Aber jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Urs fuhr los, um nur Minuten später mit seinem kleinen 4x4, hupend vor dem Gartentor zu stoppen.  Er rief:"Honey, komm mal, ich habe hier einen Hund!" "Was ist denn passiert?" Urs erzählte, dass der Hund vermutlich bis zum Haus gekommen war und erschreckt durch das Gebell unserer Hunde, wieder weg gerannt ist. Er war schon fast unten an der Strasse, als Urs ihn eingeholt hatte. Er rief den Hund zurück, denn auf dem Highway ist an einem Wochenende viel Verkehr. Dieser  kam sofort zu Urs und stieg auch gleich bei ihm in den 4x4 ein. Was nun? Ins Haus kann er nicht kommen, das geht unmöglich. Als erstes holte ich ihm ein Geschirr mit Wasser und einen Gutz. Er soll spüren, dass wir es gut meinen. Gemeinsam gingen wir in Gedanken unsere Nachbarn durch und die Hunde die wir kennen. Urs fuhr rüber zu Richard, er ist der Nachbar zu unserer Rechten. Richard hatte auch keine Ahnung wer so einen Hund haben könnte. Dann kommt er wohl nicht aus der näheren Umgebung.......
 
 
Wir müssen was machen. Es sind über 30° (wir hatten gestern 37°) und der Hund kann unmöglich hier draussen angebunden bleiben. Auf wen sollten wir auch warten? Ich ging ins Haus und rief bei Paw's, das Tierheim in Creston an. Gott sei Dank war auch am Samstag jemand da, um das Telefon zu bedienen. Kurz schilderte ich die Situation und wie ich erwartet hatte, sagte die nette Lady:" Bringt den Boy zu uns." Urs machte sich gleich auf den Weg nach Creston und lieferte Torque  (sein Name) im Tierheim ab. 
 
 
Während Urs mit Torque unterwegs zu Paw's war, postete ich Bilder und eine Beschreibung auf zwei speziellen Face book Seiten von Creston. Dank dem wurde innerhalb der nächsten zwei Stunden der Besitzer gefunden und er konnte seinen Schützling im Tierheim abholen. Alles war gut und wir waren happy.
Am gleichen Abend hat mich ein junger Mann auf FB angeschrieben und mich gefragt, ob ICH seinen Hund aufgenommen hätte? Ich sagte ja und betonte, dass wir das gerne gemacht hätten. Er meinte, wir hätten den Hund bloss nach Hause schicken können.....wir hätten ihn nicht nach Creston fahren müssen! Ich fragte  nach, wo er denn wohne? In ihrer Nähe, war die knappe Antwort. Wir fanden dann durch unseren Nachbar Lehman heraus, dass in der Nachbarschaft  ----etwa 5 Km down the road --- jemand das kleines Haus gekauft hat, das schon lange leer stand. Normalerweise stellen sich "Neue" den Alten vor, so dass man weiss, wer zu wem gehört!
Jetzt war bei mir die Freundlichkeit zu ende. Ich sagte ihm, dass er besser dankbar sein sollte, dass sich jemand seinem Hund angenommen hatte und ihn in der Hitze nicht einfach wegjagte. 
Sein Kommentar; nächstes Mal soll ich ihn nach Hause schicken. Meine Antwort; nächstes Mal kannst du den Hund bei uns abholen, wenn nicht, bleibt er hier, bei uns!
Wir machen solche Aktionen nicht weil wir den Dank wollen, aber wenn jemand für meine Hunde so etwas machen würde, ich würde persönlich zu ihm hinfahren und Danke sagen.....erst recht wenn er in der Nachbarschaft wohnen würde!

Eine Province im Notstand

Creston wo wir leben, ist auf der Karte rechts unten.....

Dieses Bild zeigt, wo es in der Province British Columbia überall aktive Feuer gibt und das sind nur die Grösseren. Im Moment (die Zahlen wechseln ständig) gibt es um die 230 aktive Feuer, davon sind etwa 23 grösser als 10 Hektaren und 10 Feuer brennen über einer Fläche von 1'000 Hektaren. Im ganzen - soweit das jetzt schon gesagt werden kann - brennen 105'000 Hektaren Wald und Busch. Bedroht sind aber auch Dörfer und Städte.....Mensch und Tier und wir sind erst halbwegs durch den Sommer......
 
 
Wir hatten 2003 schon mal einen so katastrophalen Sommer. Es war das schlimmste Jahr in der Geschichte von BC......2500 Feuer, mehr als 10'000 Feuerwehrleute riskierten für Wochen ihr Leben, arbeiteten bis zur Erschöpfung. Trotzdem fielen 265'000 Hektaren Wald und Busch dem Feuer zu Opfer und mehr als 30'000 Menschen mussten Evakuiert werden. Vielen verloren ihr ganzes Hab und Gut.
 
Seit Samstag gibt es neues grosses Feuer, zwischen Kelowna und Vernon. In den Nachrichten sagte man, dass jemand ein Camp Feuer an der Beach gemacht hatte. Seit Wochen stehen überall Schilder, dass es verboten ist Feuer zu machen. Diese Ignoranten nehmen die Situation nicht ernst, denken, dass sie alles im Griff haben. In den letzten Tagen gab es auch noch Wind.....Ein Augenzeuge berichtetet: Innert ganz kurzer Zeit kam das Feuer den Hügel hinauf.....alles brannte lichterloh. Die Polizei hatte nicht mal die Möglichkeit die Menschen richtig zu informieren, dass sie ihr Grundstück verlassen müssen. Jemand sagte, dass die Polizei durch ihre Wohnquartiere fuhr und den Menschen zurief, dass sie abhauen sollen. Niemand kann sich vorstellen was das heisst.....ich auch nicht, ich habe es Gottseidank nicht erlebt und ich hoffe, dass wir verschont bleiben. Elf der Häuser die dem Feuer am nächsten standen, standen innert kurzer Zeit in Flammen und das waren solide Häuser.
Die Hälfte der Feuer wurden durch Mensch ausgelöst........
 

 

Die Cherry Picker's sind da!

 

 
 Die Cherry Picker's sind da! Jeden Sommer ab Mitte Juli, bekommt Creston eine Zuwanderung von jungen Menschen. Die flippigen Hippies sind meistens Studenten, kommen aus der Province Quèbec, extra zur Kirschenernte nach Creston. Sie fallen durch ihre Frisuren und Kleidung auf. Braun gebrannt, Rastalocken, Tatoos, Schlabberlook und Hüte. Viele haben auch ihre Hunde mit dabei. Ohne diese jungen Leute ginge es wohl gar nicht bei der Kirschen Ernte. Sie arbeiten für 3-4 Wochen hart und oft unter fast unanständigen Bedingungen. Neu wird nun von den Farmern gefordert, dass sie den "Gastarbeitern" Unterkünfte zur Verfügung stellen müssen. Das finde ich nicht mehr als normal. Viele leben in dieser Zeit am Flussufer in Zelten, was nicht gern gesehen wird. Dafür gibt es Gründe: Sie machen Feuer, was in der heissen Sommerzeit gefährlich ist, lassen ihren Unrat zurück und oft baden sie auch nackt im Fluss!! Wo sollen sie sich nach getaner Arbeit sonst auch waschen? Darüber stand vor ein paar Jahren  ein Artikel in der Zeitung. Irgend ein Crestoner Bewohner musste wohl ein Auge auf sie geworfen haben, denn wie sonst hätte er die Nackten sehen können?  Immerhin hatten sie ihr Lager ein bisschen abseits und versteckt aufgestellt gehabt. Aber Nacktbaden in der Öffentlichkeit, das geht hier gar nicht. Die Polizei wurde gerufen und den jungen Hemmungslosen wurde gesagt, was Sache ist. :-) Klar, sie könnten auch woanders wohnen, aber verständlicherweise, möchten sie so wenig Geld wie möglich fürs Übernachten ausgeben.
Aber auch sonst sind die Kirschen Pflücker vielen ein Dorn im Auge. Da sie oft ziemlich weit weg von da wohnen wo sie Arbeiten, stellen sie sich nach getaner Arbeit an den Strassenrand und machen Autostopp. Ich habe schon öfters junge Frauen mitgenommen, die bereits um 10 Uhr am Vormittag ihre  5-6 Stunden Kirschen gepflückt hatten und nun noch Kilometerweit  zu Fuss zu ihrem Wohnplatz gehen mussten. Normalerweise nehme ich keine Autostopper mit, die sieht man hier auch selten. Aber für die Cherry Picker mache ich gern eine Ausnahme und die Frauen sind immer sehr dankbar. Einmal sagte mir ein junges Mädchen, dass sie es soooo nett fände und sie mir gern zum Dank die Hand geben würde. Aber ihre Hände waren ganz schwarz von den Kirschen......wir lachten darüber, stiegen aus und haben uns umarmt. Sie sagte dann zu mir.....I miss my Mum.....drehte sich um und weg war sie.........
 
 


Der Kootenay Lake

Der Kootenay Lake ist mit über 100 km Länge das
beherschende Merkmal der Region. 

Bis zum Kootenay Lake fahren wir etwas mehr als eine halbe Stunde. Gestern habe ich diese Fahrt ganz spontan gemacht. Wir haben zur Zeit ganz tolles Sommerwetter mit Temperaturen um und über 30°. Genau richtig für einen Ausflug an den See.
Es gibt viele kleine Strände wo man zu Fuss hin kommen kann. Aber zum Baden war mir der See zu kalt. Ich hatte mir ein Sandwich gekauft und mich dann am Wasser auf einen Stein gesetzt. Menschen hatte es keine und so hatte ich für eine Stunde meine Ruhe.
Von Creston bis nach Crawford Bay, fährt man eine gute Stunde, immer dem See entlang. Crawford Bay ist eine kleine Gemeinde von knapp 400 Einwohner. In den Sommermonaten ist  hier immer viel los. Links und rechts der Strasse gibt es kleine Ateliers die Kunst- und Handwerkliche Sachen herstellen.
Besucht habe ich  gestern den Besenmacher auf der rechten Seite, am Ausgang der Siedlung. Man kann zuschauen wie die Besen gemacht werden und natürlich kann man auch welche kaufen und gleich mitnehmen.

Den Besenmacher habe ich schon öfters besucht, aber es ist immer wieder interessant und schön. Wo kann man das sonst noch? Vielleicht in einem Museum?
 Wo ich auch immer noch einen Besuch mache, ist in der Handweberei. Diese Farbenpracht unglaublich......Schals, Hüte, Ponchos, Tisch-und Küchentücher, Westen und Decken.......man kann fast nicht alles aufnehmen.
Zu diesem Bären aus Stein gibt es noch eine kleine Geschichte: Die Leser, die meinen Blog schon länger lesen erinnern sich vielleicht noch an meine Gans Martha? Also Martha lebt nun in der Familie des Steinmetz Künstlers der diesen Bären gemacht hat. Er lebt in Creston und hat da auch eine eigene Galerie wo er seine tollen Arbeiten ausgestellt hat.
 
Wenn ich so unterwegs bin, fühle ich mich auch wie ein Tourist.....was ich dann ja auch ein bisschen bin. Schon öfters habe ich auch Reisende aus der Schweiz angetroffen, die auf der Durchreise waren. Man unterhält sich, tauscht sich aus, freut sich und dann zieht jeder wieder -- mit guten Wünschen -- weiter.
Von Crawford Bay nach Kootenay Bay, wo die Fähre anlegt, sind es nur ein paar Kilometer. Die Fähre bringt die Reisenden kostenlos in 35 Minuten nach Balfour, auf die andere Seite des Kootenay Lake.
 Ich habe mir einen Kaffee "to go" geholt und mich ans Wasser gesetzt. Immer wieder habe ich bei mir gedacht: Mensch ist das schön hier.....was für ein Tag! Es braucht so wenig um sich wieder auftanken zu können. Gestern habe ich aufgetankt!


Kombucha, mehr als ein Wellness Drink




Dora hat mir vor ungefähr einem Monat eine Kombucha Kultur mitgebracht. Ich freute mich echt und machte mich gleich ans Googlen, denn ich wollte alles richtig machen. 
Kombucha ist ein Getränk aus vergorenem Tee das fast wie Apfelsaft schmeckt, der leicht kribbelt. Er wird kalt getrunken, schmeckt ausgezeichnet und die Liste wobei Kombucha gesundheitlich helfen kann, ist endlos.
Die Kombucha Kultur ist eine glitschige, gummiartige, bräunlich-beige Scheibe, die in etwa 1 dl von der letzten vergorenen Flüssigkeit, in ein Glas gelegt wird. Für einen Liter Tee nehme ich 1 Beutel Schwarztee, 3 Beutel Grüntee, lasse ihn für 10 Minuten ziehen, gebe 90 gr. Zucker dazu und lasse das Ganze abkühlen. Den Zucker braucht die Kultur zum Wachsen. Aus der einen Kultur konnte ich bis jetzt, fünf Teile machen. Im Moment fülle ich 5 1 Liter Gläser mit Tee. Wenn die Gläser gefüllt sind, werden sie mit einer Gaze zugedeckt -- nicht luftdicht -- und an einen ruhigen, hellen Ort gestellt (keine direkte Sonne), wo sie für mindestens 8 - 12 Tage stehen bleiben sollten. Nach dieser Zeit nehme ich die "Scheiben" aus den Gläsern und wasche sie unter laufendem, kaltem Wasser sauber, lege sie wieder in ein sauberes Glas mit einem Rest vom Kombucha, fülle mit Tee auf und das Ganze beginnt von Neuem.


Mir schmeckt der Kombucha am besten, wenn er 12 Tage gereift ist. Ich mag das Getränk wirklich sehr gern und ich würde es jedem empfehlen, mal danach zu Googlen und vielleicht selber eine Kultur anzulegen.