Weder noch......


Als ich heute über den Berg ging blies mir ein kalter Wind ins Gesicht. Am Thermometer zeigte es gar nicht kalt an......vielleicht 4-5 Grad. Mit diesem Wind qber fühlte es sich wie Minimum 5-6 Grad minus an. Der Herbst ist definitiv vorbei. Die Blätter die noch vor ein paar Tagen golden in den Birken und Pappeln hingen, fielen gestern dem Wind zum Opfer. Auf dem Boden bilden sie einen glitschigen Belag. Diese Zeit wo der Herbst sich verabschiedet und der Winter noch nicht richtig angefangen hat, mag ich nicht besonders. Überall ist der Boden matschig --- bei uns ist nicht jede Hauseinfahrt und Hausplatz geteert --- und die Hunde und Katzen hinterlassen in der Küche ihre Spuren wenn sie von draussen rein kommen.

Die Berge rund um uns sind verschneit und zwar fast bis unten. Es kann also nicht mehr lange dauern und es wird am Morgen wenn wir aufstehen eine saubere, weisse Decke über allem liegen. Bei uns auf dem Berg bleibt die Schneedecke auch bis zum Frühling weiss und sauber.

der Winter steht vor der Türe


Die Tage sind immer noch sonnig und mild....so richtig zum Geniessen. Die Nächte aber sind und werden spürbar kälter (7 Grad minus). Die Berge die uns umgeben tragen eine weisse Haube und es wird nur eine Frage von Tagen sein bis die weisse Pracht sich langsam bis zu uns runter schleicht. Mein Rosenstock hatte trotz allem noch ein mal einen Knopf gebildet, der aber mit Sicherheit nicht mehr zum Blühen kommt. Der Frost hat ihn mehr als ein mal gebeutelt.
Die Wasserbecken wo die Hunde ihr Wasser haben sind am Morgen "solid" gefroren.
Bei den Alpacas haben wir seit zwei Wochen einen Tauchsieder (extra für Tiertraenken) so dass die Alpacas immer genug Wasser zum Trinken haben. Wenn die Temperatur unter 15 Grad
minus fällt, ist es sehr mühsam und Zeitaufwendig das Wasser immer Trinkbar zu halten. Für nur zwei Alpacas war es nicht so schlimm, aber jetzt wo ich sechs habe, gibt es für die Tiere eine grosse Wanne mit eben diesem Tauchsieder. Was für eine tolle Erfindung!! Es nimmt mir viel Arbeit ab.

Kanada hat gewählt!

.....aber keiner spricht davon.....ich bin enttäuscht.
Kanada, das größte Land der Welt hat gestern eine neue Regierung (Präsidenten) gewählt und niemand interessiert sich dafür. Heute wurde in der DeutschenWelle berichtet, dass im Aserbaidschan ein neuer Präsident gewählt wurde. Man erwähnte, dass in den Staaten Barack Obama und John McCain in die letzte Fernsehdebatte gehen.....aber von Kanada, kein Wort. Nur weil sich in Kanada die Politiker keine monatelange Schlammschlacht leisten? Weil das wählen keine Show, sondern etwas ist was man einfach macht und man dann wieder zum "normalen" Leben über geht. Mein Eindruck ist, es ist nicht wichtig für Europa, weil viele gar nicht wissen, dass Kanada ein Eigenständiges Land ist und nicht zu den USA gehört.
Vielleicht ist es auch nicht wichtig, weil man auch sonst nicht viel von Kanadas Politik mitbekommt. Kanada ist das Land wo man Urlaub macht.....na ja eigentlich ein schöner Gedanke!

Winterfahrplan



Nicht nur die SBB (Schweizerische Bundesbahn) hat ihren Winterfahrplan.
Seit ich in Kanada lebe, habe ich auch einen solchen. Stehe ich im Sommer wenn die Tage lang sind so zwischen 5.00 und 5.30 auf, wird es gegen den Winter immer später.
Als ich in der Schweiz lebte, stand ich --- ausser Sonntags --- jeden Morgen um 6.20 auf. Es fiel mir schwer.....im Sommer wie im Winter. Ich hasste den Wecker aus tiefsten Herzen. Ich entschuldigte mich, dass ich eben kein Morgenmensch sei. Heute weiss ich es besser!
Wie oft stehe ich hier wenn die Sonne mich weckt noch vor 5 Uhr auf. Es fällt mir überhaupt nicht schwer und ich bin kein Morgenmuffel....nicht mal so früh am Morgen. Werden die Nächte wieder länger und es bleibt lange Dunkel, dann schlafe ich schon mal bis 7.30 oder sogar bis um 8 Uhr. Das macht gar nichts, denn meine Hunde und Katzen machen das genauso.
Wie ich das schätze ohne Wecker aufzustehen, nur nach meiner inneren Uhr und wie gut mir das tut, das weiss ich jetzt. Der Mensch sollte viel mehr die Möglichkeit haben auf seine innere Uhr zu hören. Aber wo passt ein Mensch der auf seine Uhr hören will in der hektischen und bewegten Welt hin? Ist es nicht unnatürlich, dass wir Menschen, die wir so aufgeklärt sind und so viel Geld für die Forschung ausgeben, dem keine Beachtung schenken? Könnte es sein, dass es zu einfach ist?

Herbst




Was für eine schöne Jahreszeit --- für mich eigentlich die schönste. Am Morgen liegt jetzt öfter leichter Reif auf dem Gras. Die Luft ist kühl, sauber und klar. Der Busch wird gelb, rot und braun und es riecht nach Pilzen und trockenem Laub. Die Temperaturen sind angenehm und es lässt sich gut an der Sonne arbeiten....im Gegensatz zu den Sommermonaten.

Setze ich mich für einen Moment hin, dann kann ich beobachten wie geschäftig es im Geäst zu und her geht. Alle spüren den kommenden Winter und schaffen ihre Vorräte in Sicherheit.
Wehe so ein kleiner Eichkater füllt sich belästigt, dann kann er laut und eindringlich Schimpfen und das für eine ganze Weile. Ich frage mich, wie das funktioniert mit vollem Mund?
Aber nicht nur die Vierbeiner spüren den Winter, auch Urs ist aktiv, räumt im Wald auf und macht Feuerholz. Ab Mitte November können wir den Schnee erwarten und er bleibt dann sicher bis im März liegen. So gut ich kann helfe ich beim Feuerholz machen. Urs sägt mit der Kettensaege Rugeli und "splited" sie mit einer Maschine. Dann kommt mein Teil, ich lade die Scheiter in die Schubkarre und bringe sie bis zum Haus. Da wird dann --- mehr oder weniger schön --- bis unters Dach aufgeschichtet. Die Beigen müssen schon was aushalten, denn unsere Katzen lieben es darauf herum zu klettern. Als Kind musste ich oft meinem Vater beim Holzschichten helfen. Oft wenn ich jetzt hier am schichten bin, höre ich meinen Vater sagen: Pass gut auf, dass die Beige nicht nach aussen hängt.........Leider habe ich meinen Vater schon vor mehr als 15 Jahren verloren. So oft denke ich an ihn und es tut mir leid, dass ich ihn nicht mehr um Rat fragen kann.

Glück gehabt!!


Bushy-Tailed Woodrat oder Packrat
Im Stall wo die Alpacas ihren Platz haben, leben auch noch andere kleine Tiere. Warum auch nicht......da ist immer Wasser, da liegen kleine Reste vom Hafergemisch auf dem Boden und da liegt auch das Heu.....ein kleines Paradies.

Neulich habe ich gesehen dass einer der Mitbewohner auf einem Tablar vom Gestell ein Nest aus Irisch Moos baute. Das kleine Wesen muss eine Heidenarbeit geleistet haben. Innert drei Tagen wuchs das Nest zu einem ansehnlichen Haufen. Ein Zweites entdeckte ich dann gleich daneben. Es roch auch so eigenartig und überall lagen kleine Kotspuren. Nein, mit aller Liebe, der kleine Wicht wurde richtig unverschämt.....hinterliess seine Spuren im Heu und im Stall, dass ich das Heu wegwerfen musste. Der Geruch war so penetrant, dass die Alpacas das Heu nicht mehr fressen wollten. Ich fragte unseren Nachbar für die Falle die man für grössere Tiere verwendet und die das Tier nicht gleich köpft.....das war mir wichtig, auch wegen der Katzen, die sich ja auch im Stall aufhalten.
Heute Morgen war einer der Untermieter dem Speck auf den Leim gegangen.
Eigentlich sieht sie hübsch aus mit ihrem feinen Pelz und dem buschigen Schwanz. Diese Ratte hatte Glück im Unglück.....wir haben sie mit der Falle nach oben auf dem Berg in den Busch gefahren und sie dann freigelassen.
Die Falle habe ich noch einmal gestellt weil es sind ja zwei Nester da.

Der kleine Hunger!


Wer geistert den da nachts in der Küche herum? Traut sich nicht das grosse Licht anknipsen?

Leises rascheln, Schubladen quietschen......nun muss ich doch mal nachschauen.
Man liest so viel....
Neulich haben sie in den Nachrichten gesagt, dass ein kleiner Waschbär auf Futtersuche in einem Haus erwischt wurde. Oder haben wir schon wieder Mäuse im Kuchenschrank?
Leise, auf nackten Füssen schleiche ich mich in die Küche......der Übeltäter hat zwei Beine
und weiss genau wo der Fleischkäse liegt ;-)

Harmlos

Grouse

--- ist mit unserem Fasan zu vergleichen. Sie brüten am Boden und wenn man sie aufscheucht, dann flüchten sie sich auf Bäume.
Es ist ein friedlicher Sonntagmorgen und ich bin mit meinen Hunden auf dem Berg unterwegs. Wie so oft bin ich in Gedanken --- was nicht heisst, dass ich nicht aufmerksam bin --- als direkt neben mir etwas aus dem Gebüsch hoch flattert. Ich hab gedacht mir bleibt das Herz stehen. Nach all den unliebsamen Begegnungen die ich in letzter Zeit hatte, kann man den Schrecken verstehen.
Zum Glück war es "nur" eine Grouse und ich atmete zweimal tief durch. Schon so oft haben mich diese Hühner erschreckt und immer wieder passiert es mir. Sie lassen einem so nahe an sich rankommen um dann plötzlich aus dem Nichts hoch zu flattern und sie machen so viel Unruh im Gebüsch als wär es ein grosses Tier.
Dieses mal haben Cindy und Maite drei Grouse-Damen aufgescheucht und ich hatte genug Zeit um ein Bild zu machen, bevor sie schimpfend auf dem nächsten Baum landeten.
Zugegeben, auch wenn ich mich immer wieder ab diesen Vögel erschrecke, sind sie mir doch um einiges lieber als Begegnungen mit gewissen anderen 4Beinern.

Bärenfutter

Huckleberries
im Herbst reifen sie an Büschen die mehr als 2 Meter hoch werden. Die Beeren sind dunkelrot bis dunkelblau und sehen aus aus wie Blaubeeren. Man kann sie abnehmen und für Konfitüre oder zum Backen gebrauchen. Ich lasse sie hängen, weil die Bären und all die anderen kleinen Tiere sie im Herbst nötiger haben als wir. Wenn man sich vorstell wieviele kleine Beeren der Baer abzupfen muss um einigermassen satt zu werden.......
Neulich, auf meinen Spaziergang, habe ich genau gesehen an welchen Büschen der Bär schon halt gemacht hatte. Unter dem Busch war ein richtiges Nest .....platt gedrückt weil er sich hingesetzt hatte und rundum verstreut lagen die reifen Beeren. Auch Äste waren abgebrochen.
Der Bär geht nicht zimperlich um mit den Sträuchern, ihn interessieren nur die reifen Beeren.
Geht man dann ein Stück weiter, findet man Häufchen wo er seine Leckereein verdaut hat.
An den Hinterlassenschaften des Bären, kann man genau sehen was er zuletzt gegessen hat.

Letztes Jahr habe ich einen beim Ablesen der Beeren überrascht. Er sass im Farn und zog sich die Zweige durch den Mund. Unwillig und brummelnd hat er seinen Platz verlassen und ich kann es auch verstehen.

Vollmond


Am vergangenen Samstag war Vollmond...... eine wunderschöne, angenehme Sommernacht.
In unserem Nachbardorf Yahk (15km entfernt) gab es ein Fest...... Britsh Columbia feiert dieses Jahr seinen 150 Geburtstag und aus diesem Anlass organisierten die "Yahker" ein Gartenfest.
Den ganzen Tag gab es Spiele für die Kinder, ein Breakfast und am Abend ein Nachtessen und der Biergarten war offen von 16 .oo - 21.00 Uhr.
Urs und ich fuhren erst am Abend nach Yahk als es ein bisschen abgekühlt hatte. Wir haben im Moment wirklich sommerliche Temperaturen (immer weit über 30 Grad) und das schon eine ganze Weile.
Aber am letzten Samstag war es wirklich ein wunderschöner Abend. Man konnte zu Countrymusik tanzen und unter den Bäumen mit Freunden zusammen sitzen.
Wir gehen nicht so oft weg, weil uns manchmal die lange Heimfahrt stinkt. Ich fahre sowieso nicht gerne nachts, weil so viel Wild auf der Highway ist.
Ganz am Anfang als ich in Kanada lebte, hatte ich einen Unfall mit einem Reh und das habe ich nie überwunden. Seitdem fahre ich wenn es dunkel wird so vorsichtig, dass wir nie nach Hause kommen.
Als wir von Yahk nach Hause kamen war der Mond gerade so richtig schön am Himmel und wir sassen noch eine ganze Weile draussen und hörten auf die nächtlichen Geräusche und es war so hell, dass sogar die Alpacas noch draussen am Spielen waren.